Die kurze Antwort

Die kleinen Löcher knapp über deinem Hosenbund kommen nicht von Motten. Es sind Reibungslöcher: Gürtelschnalle, Jeansknopf oder Arbeitsplatte reiben jeden Tag an derselben Stelle, bis das Garn durchgescheuert ist. Jedes T-Shirt bekommt sie irgendwann, aber Merino zuerst, weil seine feinen Fasern schneller durchscheuern als Baumwolle oder Polyester, vor allem bei leichten T-Shirts. Die Lösung ist ein schwererer Stoff oder ein verstärktes Garn, und ein bisschen Aufmerksamkeit dafür, woran du reibst.

Motten, Waschen oder Reibung? So erkennst du den Unterschied

Wo die Löcher sitzen, verrät dir, woher sie kommen.

UrsacheWo die Löcher sindWie sie aussehenBetroffene Stoffe
ReibungEin Streifen auf Bauch- oder Bundhöhe, manchmal unter den Achseln oder unter einem RucksackgurtKlein, rund, oft mehrere nebeneinander; gerissenes Garn, Stoff drumherum ausgedünntAlle Stoffe, Merino zuerst
MottenÜberall, oft an versteckten Stellen wie dem Rücken oder unter dem KragenUnregelmäßig; das Garn ist weggefressen statt gerissen, manchmal mit angefressenen Stellen oder winzigen Larvenhüllen in der NäheWolle, Kaschmir, Seide; nicht Baumwolle oder Polyester
WaschmaschineZufällige StellenGezogene Fäden oder kleine RisseFeiner Strick, der mit Reißverschlüssen, Haken oder Klett gewaschen wurde

Sitzen die Löcher bei all deinen T-Shirts auf derselben Höhe, ist es Reibung. Kommt ein T-Shirt, das den ganzen Sommer in der Schublade lag, voller Löcher wieder heraus, oder findest du Löcher an seltsamen Stellen, sind es Motten.

Warum die Löcher immer auf Bauchhöhe entstehen

Auf Höhe des Hosenbunds wird ein dünnes T-Shirt zwischen deinem Körper und etwas Hartem eingeklemmt. Bei jedem Schritt, jedes Mal, wenn du dich hinsetzt oder nach vorn beugst, reibt diese Stelle.

Die üblichen Verdächtigen:

  • Metallknopf und Nieten der Jeans
  • eine Gürtelschnalle
  • ein steifer Jeansbund
  • das Anlehnen an Arbeitsplatte, Schreibtisch oder Waschbecken
  • die Schnalle des Sicherheitsgurts im Auto
  • der Hüftgurt eines Rucksacks

Der Strick gibt nicht auf einmal nach. Die Fasern brechen an der Oberfläche eine nach der anderen, bis eine einzelne Garnschlinge reißt. Im Strick öffnet sich eine gerissene Schlinge zu einem kleinen runden Loch. Wenn du also viel Auto fährst, zieh dein T-Shirt unter der Gurtschnalle hervor. Eine kleine Gewohnheit, mit der dein T-Shirt spürbar länger hält.

Warum Merino-T-Shirts schneller Löcher bekommen

Merino ist weich, weil seine Fasern extrem fein sind, und feine Fasern sind empfindlich. Drei Dinge machen ein leichtes Merino-T-Shirt anfälliger als ein Baumwoll-T-Shirt mit gleichem Gewicht:

  • Feine, empfindliche Fasern. Merinofasern sind fein und weich und scheuern bei wiederholter Reibung schneller durch als Baumwolle oder Polyester.
  • Dünne Garne. Ein Jersey mit 150 g/m² wird aus einem feinen Garn mit relativ wenigen Fasern im Querschnitt gestrickt. Fehlen ein paar davon, reißt das Garn.
  • Keine Verstärkung. Reines Merino hat nichts im Garn, das es zusammenhält, sobald die Oberflächenfasern weggescheuert sind.

Deshalb lieben so viele ihr erstes Merino-T-Shirt und sind um den zehnten Monat herum enttäuscht. Das ist kein Pech und kein falsches Waschen. Es liegt am Stoff.

Hält ein schwereres Merino-T-Shirt länger?

Ja. Die Grammatur in Gramm pro Quadratmeter (g/m²) ist der einfachste Hinweis auf die Festigkeit, wenn du zwei Stoffe mit gleicher Zusammensetzung vergleichst. Ein schwererer Jersey hat dickere Garne oder einen dichteren Strick und scheuert deshalb langsamer durch.

GrammaturGriffIdeal fürHaltbarkeit bei 100 % Merino
120 bis 130 g/m²Sehr leicht, leicht durchscheinendHeißes Klima, LagenlookEmpfindlich, Löcher können innerhalb weniger Monate entstehen
150 bis 170 g/m²Klassisches T-Shirt-GewichtAlltag, alle JahreszeitenLöcher an Reibungsstellen meist innerhalb eines Jahres
190 bis 200 g/m²Kräftig, blickdichtKühlere Monate, BaselayerDeutlich robuster, verschleißt aber trotzdem auf Bauchhöhe

Schwerer ist keine Lösung zum Nulltarif: Ein T-Shirt mit 200 g/m² ist wärmer und im Sommer weniger luftig. Die meisten wollen ein T-Shirt zwischen 150 und 190 g/m², genau da, wo reines Merino Probleme hat. Unsere ClimaForce-T-Shirts haben 170 g/m², mitten in diesem Bereich.

100 % Merino, Core-Spun oder spiralverstärktes Garn

Nylon hilft, aber wie es eingearbeitet wird, ist genauso wichtig wie wie viel.

GarnAufbauFestigkeitWo es trotzdem nachgeben kann
100 % MerinoMerinofasern miteinander verdrehtAm niedrigstenScheuert an Reibungsstellen durch
Intime MischungMerino- und Synthetikfasern vor dem Spinnen gemischtBesserWeniger Merino heißt weniger Geruchsresistenz
Core-SpunMerinofasern um einen Kern aus Nylonfilament gesponnenHohe ZugfestigkeitDie Merino-Oberfläche scheuert trotzdem ab und legt den Kern frei
Spiralverstärkt (ClimaForce)Ein feines Nylonfilament windet sich spiralförmig um einen Merinokern, der zwischen den Windungen frei bleibtAm höchsten in unseren TestsDas Filament fängt die Reibung ab und schützt das Merino darunter

Bei Core-Spun-Garn sitzt das Nylon innen: Es verhindert, dass das Garn reißt, schützt aber die Oberfläche nicht. Bei spiralverstärktem Garn windet sich das Filament außen herum. Es bedeckt das Merino nicht, auf der Haut spürst du also weiterhin überwiegend Wolle, aber die Spirale fängt die Reibung genau dort ab, wo die Gürtelschnalle scheuert.

Warum wir unser eigenes Garn entwickelt haben

Seit 16 Jahren entwerfen wir Outdoor-Bekleidung für den größten Multibrand-Outdoorhändler in Europa und Großbritannien. Wir haben mit allen möglichen Stoffen gearbeitet, vor allem mit Synthetik, die durch Ausrüstungen die gewünschten Eigenschaften bekommt. Im Premiumsegment haben wir mit Merino gearbeitet, in verschiedenen Mischungen und von verschiedenen Lieferanten.

Als Wanderer wurden wir selbst zu Merino-Fans. Wir sind mit nur ein paar Merino-T-Shirts über Kontinente gereist. Aber bei jeder Marke, die wir getragen haben, ob großer Name oder kleiner Spezialist, kam dasselbe Problem zurück: Löcher rund um den Bauchnabel, meist innerhalb eines Jahres.

Als wir anfingen, unsere eigenen Merino-T-Shirts zu machen, war genau das also das Problem, das wir lösen wollten. Wir haben Dutzende Merinostoffe von der Stange getestet. Wir haben Muster mit Core-Spun-Garnen stricken lassen. Am Ende haben wir unser eigenes Garn entwickelt, bei dem sich ein feines Nylonfilament spiralförmig um einen Merinokern windet. Wir haben es ClimaForce genannt.

Labortests haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg waren: Der Stoff war deutlich fester. Aber der echte Beweis kommt aus Jahren im echten Alltag. Seit unserem Start 2018 sind weniger als zehn Kunden mit einem Loch zu uns gekommen. In mehreren Fällen saß das Loch nicht an der typischen Stelle, und das Garn war von Motten weggefressen. Die anderen kamen von intensiver Rucksacknutzung, einmal kombiniert mit einem Gürtel mit Dornschließe aus Metall. Was wir viel öfter hören: „Nach fünf Jahren sehen sie noch aus wie neu.“ Du trägst ein Merino-T-Shirt mit ClimaForce jahrelang ohne diese Löcher am Bauch.

Warum wir als Materialpuristen 20 % Nylon verwenden

Wenn 100 % Merino unsere Ansprüche erfüllt, verwenden wir 100 % Merino. Unsere Hemden sind deshalb aus reinem Merino. Aber bei T-Shirts zwischen 160 und 190 g/m² hat keiner der reinen Merinostoffe, die wir getestet haben, und keines der T-Shirts aus 100 % Merino anderer Marken länger als ein Jahr gehalten.

Und selbst wenn: Ein Jahr reicht nicht. Weder um den Preis zu rechtfertigen noch den Einsatz einer kostbaren Naturfaser. Ein T-Shirt, das jahrelang hält, ist die nachhaltigere Wahl, auch mit 20 % Nylon.

Macht das Nylon es günstiger? Nein. Wir könnten günstigere Stoffe aus 100 % Merino kaufen. Trotzdem sind viele Standardmischungen, vor allem solche mit weniger Merino, deutlich günstiger als reines Merino. Achte beim Kauf also auf zwei Dinge: die Grammatur und den Merinoanteil. Je höher der Merinoanteil, desto besser Temperaturregulierung und Geruchsresistenz. Mit 20 bis 30 % Nylonverstärkung behältst du fast alle Merino-Vorteile, und das T-Shirt hält viel länger. Mehr dazu in Merino-T-Shirt: worauf du achten solltest.

Was selbst das robusteste T-Shirt nicht aushält

Ein verstärktes Garn bringt dir Jahre, aber keine Unverwüstlichkeit. Manches scheuert jeden leichten Jersey durch:

  • eine Gürtelschnalle, die unter den Sicherheitsgurt gedrückt wird
  • ein fest gezogener Hüftgurt auf einer langen Wanderung
  • tägliches Anlehnen oder Scheuern an der Arbeitsplatte
  • scharfe Haken, Klett und Reißverschlüsse, in der Wäsche oder an deiner Tasche

Behalte das im Hinterkopf, und deine T-Shirts werden es dir danken.

— Joris Smeuninx

Häufige Fragen

Bekommen Baumwoll-T-Shirts auch diese kleinen Löcher am Bauch?
Ja. Dieselbe Reibung verursacht auch bei Baumwoll-T-Shirts Löcher am Bauch. Sie entstehen meist später, einfach weil die meisten Baumwoll-T-Shirts schwerer sind als leichtes Merino. Genau wie bei Merino bekommen leichte Baumwoll-T-Shirts sie schneller.
Ist Merinowolle strapazierfähig?
Merino ist für sein Gewicht stark, aber in leichten T-Shirts scheuern die feinen Fasern an Reibungsstellen durch, oft innerhalb eines Jahres. Schwerere Stoffe und verstärkte Garne wie unser ClimaForce halten Jahre länger.
Ist Merino mit 16 oder 17 Mikron schwächer als mit 18 oder 19 Mikron?
Nicht per Definition. Mikron misst den Durchmesser der einzelnen Fasern und sagt dir, wie weich sich der Stoff anfühlt. Man kann aus Fasern mit 16 Mikron ein dickes, festes Garn spinnen und aus Fasern mit 21 Mikron ein dünnes, schwaches. Willst du die Festigkeit von zwei Stoffen mit ähnlicher Zusammensetzung vergleichen, schau auf die Grammatur in g/m².
Ist eine Merinomischung mit Nylon oder Polyester günstiger als 100 % Merino?
Oft ja. Standardmischungen mit weniger Merino sind meist günstiger als reines Merino. Ein verstärktes Garn mit 80 % Merino ist nicht unbedingt günstiger: Unser ClimaForce-Garn kostet mehr als die reinen Merinostoffe, die wir hätten beziehen können.
Verringern 20 % Nylon die Geruchsresistenz eines Merinostoffs?
Theoretisch ein wenig, weil Nylon Gerüche stärker hält als Wolle. Bei 80 % Merino merkst du im Alltag nichts davon: Das T-Shirt bleibt tagelang frisch.
Spürt man die 20 % Nylon im ClimaForce-Garn?
Nein. Der Stoff fühlt sich weich und glatt an. Er hat nicht das leicht unebene, gesprenkelte Aussehen, das viele Merino-T-Shirts aufweisen, aber das hat nichts mit dem Nylonfilament zu tun. Wir unterziehen den Stoff einer Dekatierungsbehandlung, bei der durch den Einsatz von Dampf, Wärme, Feuchtigkeit und Druck die Stoffstruktur dauerhaft fixiert, die Formbeständigkeit gewährleistet und der Griff verfeinert wird.
Kann man Löcher in einem Merino-T-Shirt reparieren?
Kleine Löcher kannst du mit einem feinen Wollfaden stopfen oder mit ein paar Stichen schließen, bevor sie größer werden. Eine Schneiderei macht das fast unsichtbar.
Wie lange hält ein Merino-T-Shirt?
Ein leichtes T-Shirt aus 100 % Merino bekommt bei regelmäßigem Tragen oft innerhalb eines Jahres Löcher. Ein T-Shirt aus verstärktem Merino sollte mehrere Jahre halten.
Wie verhindere ich kleine Löcher in Merino-T-Shirts?
Wähl einen schwereren Merinostoff oder ein verstärktes Merinogarn, wasch bei 30 °C in einem Wäschesack, wenn Reißverschlüsse oder Klett in der Maschine sind, und achte auf Gürtelschnallen, Arbeitsplatten und Hüftgurte. Nimm immer ein Wollwaschmittel: Normale Waschmittel enthalten oft eiweißspaltende Enzyme und sind alkalischer, und beides greift Keratin an, das Protein, aus dem Wolle besteht, und schwächt so die Fasern.